Prof. Dr. Dr. Hansjakob Becker

Nachruf zum Tod von
Univ.-Prof. em. Dr. theol. Dr. phil. Hansjakob Becker

29.10.1938 – 16.06.2021

Hansjakob Becker (rechts) an der Dominikanerhochschule Albertus Magnus in Walberberg

 

Die Nachricht vom Tod unseres Kollegen Hansjakob Becker hat uns mit großer Trauer erfüllt.

Hansjakob Becker, geboren am 29.10.1938 in Essen, studierte nach seinem 1957 in Saarbrücken abgelegten Abitur Philosophie und Theologie zunächst an der Dominikanerhochschule Albertus Magnus in Walberberg, ab 1960 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1969 wurde er dort mit einer Untersuchung zur Liturgie des Kartäuserordens zum Dr. theol. promoviert. Da es damals noch nicht möglich war, sich als Laie in katholischer Theologie zu habilitieren, begann Becker 1969 ein Zweitstudium in den Fächern Lateinische Philologie des Mittelalters und Paläographie, Musikwissenschaft sowie Kunstgeschichte, das er 1975 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss. 1977 schließlich erfolgte die Habilitation im Fach Liturgiewissenschaft, im gleichen Jahr wurde er auf den C4-Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft und Homiletik am Fachbereich Katholische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 2004 lehrte und forschte.

Das wissenschaftliche Interesse Hansjakob Beckers war stets interdisziplinär und ökumenisch ausgerichtet. So war er Leiter des DFG-Projekts „Kommentierte Edition der orientalischen, lateinischen und reformatorischen Sterbe- und Begräbnisliturgien“, Begründer der Reihe „Pietas Liturgica. Interdisziplinäre Beiträge zur Liturgiewissenschaft“ sowie Gründungsmitglied des Vereins „Kultur – Liturgie – Spiritualität. Interdisziplinäre Vereinigung zur Erforschung des christlichen Gottesdienstes“. Weitere Schwerpunkte seiner Forschungen lagen im Bereich der mittelalterlichen Ordensliturgien, speziell der Kartause, sowie der mittelalterlichen Hymnodie und des Deutschen Kirchenliedes. Hansjakob Becker war Mitglied des Centre de Recherches et d’Études de Spiritualité Cartusienne und Mitherausgeber einer dreibändigen Geschichte des Kartäuserordens „Histoire de l’Ordre des Chartreux“. Er gründete zu Beginn der 1990er Jahre zusammen mit dem Germanisten Hermann Kurzke das „Gesangbucharchiv“ der Universität Mainz und war Initiator und Mitglied des Leitungsgremiums des DFG-Graduiertenkollegs „Geistliches Lied und Kirchenlied interdisziplinär“. In der Schlussphase seines Dienstes als Hochschullehrer und in der Zeit danach beschäftigte er sich intensiv mit der Rezeption der Bibel in Liturgie und Mystik. Seine letzten Veröffentlichungen galten einer auf vier Jahre angelegten Leseordnung für Wortgottesdienste, die vor allem der Bedeutung des Alten Testaments für die christliche Liturgie Rechnung tragen will, und einer Hilfestellung für das tägliche Gebet, die christliche Glaubenszeugnisse von den ägyptischen Wüstenvätern bis zu Dag Hammarskjöld und Madeleine Delbrêl erschließt.

Die Überzeugung, dass die gefeierte Liturgie ein Erkenntnis-Ort der Theologie ist, motivierte sein Engagement auf praktischem Gebiet. Aus der Zusammenarbeit des passionierten Sängers Hansjakob Becker mit der Capella Antiqua München und deren Leiter Konrad Ruhland gingen mehrere Schallplattenproduktionen hervor. Auf Beckers Initiative hin wird seit 1978 in jedem Jahr in der Augustinerkirche in Mainz eine adventliche Vigil gefeiert, ein durch Psalmodie, Lesungen und Gesang bestimmter Nachtgottesdienst.

Viele Generationen von Studierenden erlebten Hansjakob Becker als einen begeisternden, humorvollen und klugen Lehrer, der ihnen und ihren Fragen aufrichtiges Interesse entgegenbrachte. Seine Schülerinnen und Schüler, deren Promotion oder Habilitation er begleitete, haben durch den Menschen und Wissenschaftler Hansjakob Becker eine nachhaltige Prägung für ihr eigenes Forschen und Lehren erfahren dürfen.

 

Die Katholisch-Theologische Fakultät gedenkt Hansjakob Becker im Gebet und hält ihn als Wissenschaftler, Lehrer und Kollegen in dankbarer und ehrender Erinnerung.

Univ.-Prof. Dr. Stephan Goertz, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der JGU Mainz
Univ.-Prof. Dr. Ansgar Franz, Professur für Liturgiewissenschaft und Homiletik

Mainz, den 17. Juni 2021

 

Die Beisetzung findet am Montag, 28. Juni, um 11 Uhr auf dem Mainzer Hauptfriedhof statt.

Änderung: Die Trauergemeinde versammelt sich vor der Aussegnungshalle am Haupteingang (Untere Zahlbacher Straße) und geht dann gemeinsam zum Grab.