Vigil

Nächste Vigil

Do 07.12.2017, 19 Uhr (Augustinerkirche, Mainz)

 

Zur Geschichte der Mainzer Vigil

Der Beginn einer ureigenen Mainzer Tradition

Bereits im Jahre 1979 begründete Hansjakob Becker, Professor für Liturgiewissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität, gemeinsam mit dem damaligen Regens des Mainzer Priesterseminars Nikolaus Reinhardt die bis heute lebendig gehaltene Tradition, am 7. Dezember in der Augustinerkirche eine Vigil zu feiern. Dies geschieht am Vorabend des „Hochfestes der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria”, des vom Priesterseminar festlich begangenen Seminarfeiertags.

Hiermit kommen die Organisatoren u.a. dem Wunsch des II. Vatikanischen Konzils entgegen, das christliche Leben unter den Gläubigen zu vertiefen und eigene Wortgottesdienste an den Vorabenden der höheren Feste zu fördern (SC 35,4).

Die heutige Form der Mainzer Vigil

Über die Jahre hat sich eine feste Struktur dieses großen Mainzer Nachtgottesdienstes herauskristallisiert, der drei meditative Nachtwachen nach dem Vorbild des monastischen Stundengebets in den Mittelpunkt stellt, die durch Elemente, die aus dem alt- und ostkirchlichen Abendgebet entlehnt sind, eingerahmt werden.

Der Gottesdienst beginnt mit dem aus der Alten Kirche stammenden Luzernarium, das aus einem Licht- und Weihrauchritus besteht. Das Entzünden der Kerzen, die während des gesamten Gottesdienstes als einzige Lichtquelle dienen, symbolisiert dabei das Licht Christi, das die Finsternis von Tod und Sünde erhellt und das verborgene Licht des himmlischen Vaters in der Welt offenbar werden lässt (Joh 1). Wie der Weihrauch, so soll das Gebet der Gläubigen zu Gott emporsteigen (Ps 141).

Der eigentliche Vigil-Teil mit seinen drei Nokturnen setzt jeweils drei Psalmen an den Anfang, gefolgt von drei Bibellesungen, die wiederum durch Meditationsgesänge miteinander verbunden sind.
Nachdem zuvor im Einzelfall gewählte Themen die Lesungen bestimmten, wurde mit dem Gottesdienst im Jahre 2000 eine Reihe begonnen, die wichtige Stationen des Alten Testaments abschreitet.

Nach der aus der Ostkirche stammenden Fürbittlitanei und dem gemeinsamen Gesang des „Vater unser” entlässt der Zelebrant die feiernde Gemeinde mit einer einfachen Segensbitte in die Nacht.

Chronik

2016 Der Prophet Elischa. Das zweite Buch der Könige
2015 Der Prophet Elija. Aus den Büchern der Könige
2014 Das Buch der Sprichwörter
2013 "Milch und Honig ist unter deiner Zunge". Das Hohe Lied
2012 Salomo. Das erste Buch der Könige
2011 Davids Abstieg. Das zweite Buch Samuel
2010 David und seine Frauen. Die beiden Bücher Samuel
2009 Saul und David. Das erste Buch Samuel
2008 Von der Lade des Bundes und der Wurzel Jesse. Die Bücher Rut und Samuel
2007 „Mach dich auf den Weg und zieh über den Jordan” (Jos 1,2). Die Bücher Josua und Richter
2006 Vom Sinai zum Jordan
2005 „Seid heilig, wie ich heilig bin”
2004 Auf dem Weg zum Sinai
2003 „Wie ist den Name?”
2002 „Selig, wessen Halt der Gott Jakob ist”
2001 Abraham - Vater aller Glaubenden
2000 „Im Anfang”
1999 Apokalypse. Zeitenende - Zeitenwende
1998 Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit
1997 Hiob im Ghetto
1996 „… Denn ich bin krank vor Liebe”
1995 „Wie Weihrauch …”
1994 Zeit wird nicht mehr sein
1993 „Der Herr ist mein Hirte”
1992 Custos, quid de nocte?
1991 „Herr, schicke doch einen anderen” (Ex 4,13)
1990 Cantare amantis est
1989 Hiobsbotschaften - Hiobs Botschaften
1988 Die große Erbärmlichkeit und das große Erbarmen
1987 „Ich sucht des nachts den meyne seele liebet”
1986 Abraham, oder: von Gottes un-glaub-licher Verheißung
1985 Der Fall Jonas, oder: Von der bleibenden Frag-würdigkeit Gottes
1984 „Du hast mich heimgesucht bei Nacht und mich mit Feuer erprobt” (Ps 17)
1983 „Das Segel ist die Liebe, der heiligʼ Geist der Mast”
1982 Hiobsbotschaften - Hiobs Botschaften
1981 „Meine Seele sehnt sich nach dir in der Nacht”
1980 „Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages”
1979 Die Psalmen, Dichtungen Israels - Lieder der Kirche - Gebete für heute?

Literaturhinweise

  • Hansjakob Becker / Erhard Bertel / Mechthild Bitsch-Molitor, "Die große Erbärmlichkeit und das große Erbarmen". Vigilgottesdienst der 5. Theologischen Studientagung in Nothgottes, in: Hansjakob Becker / Bernd Jochen Hilberath, Ulrich Willers (Hg.), Gottesdienst - Kirche - Gesellschaft. Intersiziplinäre und ökumenische Standortbestimmungen nach 25 Jahren Litrugiereform ((Pietas Liturgica 5), St. Ottilien 1991, 465-498.
  • Ansgar Franz, Klage als Ernstfall des Betens. Zur Vigilfeier „Hoffnung wider alle Hoffnung. Hiobs Botschaften” des 93. Katholikentages in Mainz 1998, in: Ulrich Willers (Hg.), Beten: Sprache des Glaubens, Seele des Gottesdienstes (Pietas Liturgica 14), Tübingen/Basel 2000, 435-475.
  • Anke Heinz, „Die ganze Nacht wartet meine Seele …”. Über Geschichte und Gestalt, Wert und Chance der alljährlichen Vigil im Priesterseminar Mainz, unveröffentlichte Diplomarbeit Mainz 2005.
  • Gotteslob 2013, Eigenteil des Bistums Mainz, Nr. 712.