„Erstellung einer Bibliographie deutschsprachiger Gesangbücher“

gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Projektleiter:

Prof. Dr. Ansgar Franz
Prof. Dr. Hermann Kurzke
Prof. Dr. Stephan Füssel

Mitarbeiter:

Dr. Elisabeth Fillmann
Dr. Andrea Neuhaus
Dr. Andreas Scheidgen
Dr. Heike Wenemuth

Projektbeschreibung:

Sie waren Massenmedien in einer Zeit, in der das gedruckte Wort nur schwer seinen Weg zu den Menschen fand. In vielen Haushalten waren sie neben der Bibel über Jahrhunderte das einzige Buch: Gesangbücher wurden über Generationen vererbt und liebevoll gehütet. Handschriftliche Eintragungen lassen nicht selten ganze Familiengeschichten rekonstruieren. Zwischen Werktag und Feiertag, Geburt, Heirat und Tod dirigierten die oft dickleibigen Bände mit ihren Liedern den Lebensrhythmus, spendeten Trost, wenn Krieg, Hunger oder Seuchen wüteten, formten Welt- und Menschenbilder. Leidenschaftlicher Gottesliebe gaben sie genauso Ausdruck wie mystischer Jenseitshoffnung. Die Gesangbücher der christlichen Kirchen stellen eine kulturgeschichtliche Quelle ersten Ranges dar, doch dem wissenschaftlichen Zugriff sind sie nur schwer zugänglich. Sie galten als Gebrauchsschrifttum, das nur selten von den großen Bibliotheken systematisch gesammelt und in Katalogen verzeichnet wurde. Die Forschung muß sich deshalb noch immer mit zeitlich oder konfessionell begrenzten Veröffentlichungen begnügen. Dazu gehören neben den Pionierarbeiten des 19. Jahrhunderts (Bäumker, Wackernagel, Zahn) u.a. "Das Deutsche Kirchenlied" (RISM DKL, 1975/80). Aus neuerer Zeit stammen einige wichtige, vor allem regionale Teilbibliographien. Der überwiegende Teil der Quellen ist den Forschenden noch immer entzogen, so daß eine Gesamtschau oder differenzierte Beurteilung von Entwicklungslinien nicht möglich ist.

Das großangelegte Forschungsprojekt "Gesangbuchbibliographie" hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit modernen elektronischen Mitteln diese bisher unbekannte Kultur- und Medienlandschaft zu kartographieren. Finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, arbeiten vier wissenschaftliche Mitarbeiter an einer Datenbank, die sämtliche, zwischen den Jahren 1500 und 2000 erschienenen deutschsprachigen Gesangbücher erfassen und für Wissenschaftler verschiedener Disziplinen erschließen soll. Das Projekt ist Teil eines Forschungsschwerpunkts an der Johannes Gutenberg-Universität, der mit einer rund 3000 Bände umfassenden Gesangbuchsammlung, dem "Interdisziplinären Arbeitskreis Gesangbuchforschung" und dem Graduiertenkolleg „Geistliches Lied und Kirchenlied interdisziplinär” Mainz zu einem international bedeutenden Zentrum der wissenschaftlichen Erforschung des Kirchenliedes macht.